Neuroentwicklungsstörungen (NDD)

Neuroentwicklungsstörungen – kurz NDD (vom englischen Begriff Neurodevelopmental Disorders) umfassen verschiedene neurologisch bedingte Entwicklungsbesonderheiten, die sich bereits in der Kindheit zeigen und oft ein Leben lang bestehen bleiben.
Diese Störungen betreffen die Art, wie das Gehirn Informationen verarbeitet, wie Menschen denken, lernen, sich bewegen, fühlen oder mit anderen kommunizieren. Sie sind keine Krankheit im klassischen Sinne, sondern Ausdruck einer anderen neuronalen Entwicklung.
Zu den bekanntesten Bereichen gehören unter anderem:
Autismus-Spektrum-Störungen (ASS)
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
Lernstörungen wie Legasthenie oder Dyskalkulie
Tic-Störungen und Tourette-Syndrom
Sprachentwicklungsstörungen
Koordinationsstörungen (Dyspraxie)
Auf dieser Seite findest du eine Übersicht dieser einzelnen Bereiche:
Wir erklären, was sie ausmacht, woran man sie erkennt und warum ein besseres Verständnis für Neuroentwicklungsstörungen wichtig ist, sowohl für Betroffene, Angehörige als auch für Fachpersonen.
ASS -
Autismus Spektrumstörung
Autismus-Spektrum-Störungen – kurz ASS – gehören zu den Neuroentwicklungsstörungen. Menschen im Autismus-Spektrum verarbeiten Informationen, Reize und soziale Situationen anders als neurotypische Menschen.
ASS ist keine Krankheit, sondern eine neurologische Besonderheit, die sich auf die Wahrnehmung, Kommunikation, das Verhalten und das soziale Miteinander auswirken kann.
Typische Merkmale von ASS:
Soziale Interaktion: Autistische Menschen können soziale Regeln, nonverbale Signale und unausgesprochene Erwartungen anders wahrnehmen und interpretieren. Blickkontakt oder Small Talk sind dabei keine allgemeingültigen Maßstäbe für soziale Fähigkeiten. Missverständnisse können auf beiden Seiten entstehen, da autistische und nichtautistische Menschen häufig unterschiedliche Kommunikationsweisen haben.
Kommunikation: Die Kommunikation autistischer Menschen ist sehr unterschiedlich. Manche verstehen Aussagen eher wörtlich oder haben Schwierigkeiten mit Ironie und Mehrdeutigkeiten, während andere damit problemlos umgehen können. Einige sprechen sehr ausführlich, andere wenig oder gar nicht. Kommunikation ist jedoch nicht auf Lautsprache beschränkt. Auch Schreiben, Gebärden, Bilder und Unterstützte Kommunikation können wichtige Ausdrucksmöglichkeiten sein
Interessen & Routinen: Starke Spezialinteressen, Vorlieben für feste Abläufe und Rituale können wichtig sein, um Sicherheit zu gewinnen.
Reizverarbeitung: Viele Autist*innen sind besonders empfindlich gegenüber Reizen (Geräusche, Licht, Gerüche), andere zeigen eine verminderte Wahrnehmung in bestimmten Bereichen.
Vielfalt im Spektrum:
Autismus ist ein Spektrum, das heißt: Jeder Mensch im Autismus-Spektrum ist einzigartig. Es gibt Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf und solche, die in bestimmten Lebensbereichen sehr selbstständig sind.
Die diagnostische Einordnung unterscheidet sich je nach Klassifikationssystem. Während im DSM-5 und in der ICD-11 verschiedene Autismusformen unter dem Begriff Autismus-Spektrum-Störung (ASS) zusammengefasst werden, unterscheidet die in Deutschland weiterhin verwendete ICD-10-GM unter anderem zwischen frühkindlichem Autismus, atypischem Autismus und Asperger-Syndrom.
Diese Bezeichnungen sagen jedoch nicht automatisch aus, wie hoch der individuelle Unterstützungsbedarf eines Menschen ist. (Quelle: BfArM – ICD-10-GM 2026)
Wichtige Botschaft:
Autismus ist keine Störung, die „wegtherapiert“ werden kann oder sollte. Vielmehr geht es darum, Akzeptanz zu fördern, Barrieren abzubauen und Menschen im Spektrum so zu unterstützen, dass sie ihr Leben selbstbestimmt gestalten können.
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und gehört zu den bekanntesten Neuroentwicklungsstörungen.
Sie beeinflusst die Steuerung von Aufmerksamkeit, Impulsen und Aktivität – und ist deutlich mehr als bloßes „Zappeln“ oder „Unkonzentriertsein“.
ADHS ist neurologisch bedingt. Das Gehirn verarbeitet Reize und steuert Aufmerksamkeit, Gefühle und Impulse anders als bei neurotypischen Menschen. ADHS ist keine Frage von Willenskraft oder Erziehung.
Typische Merkmale:
Unaufmerksamkeit: Schwierigkeiten, sich länger auf eine Aufgabe zu konzentrieren, Dinge werden leicht vergessen oder übersehen, schnelle Ablenkbarkeit.
Hyperaktivität:
Kann sich durch inneren oder äußeren Bewegungsdrang, häufiges Wippen, Zappeln, vermehrtes Reden oder Schwierigkeiten beim längeren Stillsitzen zeigen. Nicht alle Menschen mit ADHS weisen eine ausgeprägte Hyperaktivität auf.
Impulsivität: Handeln, bevor nachgedacht wird, Schwierigkeiten mit Warten oder Abwägen, emotionale Reaktionen können stark und abrupt sein.
ADHS oder ADS?
ADHS kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Nach den aktuellen internationalen Diagnosekriterien werden drei Erscheinungsbilder unterschieden: vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv und kombiniert.
Beim vorwiegend unaufmerksamen Erscheinungsbild stehen beispielsweise Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, Ablenkbarkeit oder Probleme mit der Organisation im Vordergrund. Eine ausgeprägte, nach außen sichtbare Hyperaktivität muss dabei nicht vorhanden sein.
Umgangssprachlich wird hierfür häufig noch die Bezeichnung ADS verwendet. In der in Deutschland weiterhin gültigen ICD-10-GM existiert zudem die Diagnosekategorie „Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität“ (F98.80). Die diagnostischen Einteilungen unterscheiden sich somit je nach Klassifikationssystem.
ADHS im Erwachsenenalter:
ADHS beginnt in der Kindheit und kann bis ins Erwachsenenalter fortbestehen. Dabei können sich sowohl die Symptome als auch ihre Auswirkungen auf den Alltag verändern.
Die äußerlich sichtbare Hyperaktivität nimmt beispielsweise bei manchen Menschen ab und zeigt sich später eher als innere Unruhe. Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation oder Impulssteuerung können weiterhin bestehen bleiben.
Der Verlauf ist individuell unterschiedlich. Während bei einigen Menschen die Symptome deutlich zurückgehen, haben andere auch im Erwachsenenalter einen erheblichen Unterstützungsbedarf.
Wichtig:
ADHS ist eine neurodivergente Art, die Welt zu erleben – nicht falsch oder krankhaft. Mit Verständnis, Struktur, geeigneter Unterstützung und ggf. medikamentöser Hilfe können Menschen mit ADHS ihren Alltag besser bewältigen und ihre Stärken entfalten.
Qullen: BfArM – ICD-10-GM 2026, F90–F98
CDC – ADHS: Symptome und Erscheinungsbilder



Sprachentwicklungsstörungen (SES) gehören zu den Neuroentwicklungsstörungen. Kinder mit einer SES entwickeln ihre sprachlichen Fähigkeiten deutlich verzögert oder weichen in bestimmten Bereichen stark von der typischen Entwicklung ab.
Sprachentwicklungsstörungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und verschiedene Bereiche der sprachlichen Entwicklung betreffen. Sie sind von vorübergehenden Verzögerungen der Sprachentwicklung zu unterscheiden.
Woran erkennt man SES?
Verzögerter Sprachbeginn: Wörter, Sätze und Sprachverständnis entwickeln sich später als bei Gleichaltrigen.
Eingeschränkter Wortschatz: Kinder haben Schwierigkeiten, neue Wörter zu lernen und anzuwenden.
Fehler in der Grammatik: Sätze bleiben verkürzt oder zeigen auffällige Fehler.
Beeinträchtigtes Sprachverständnis: Kinder haben Schwierigkeiten, gesprochene Sprache richtig zu verstehen und umzusetzen.
Vielfalt der SES:
Sprachentwicklungsstörungen können sehr unterschiedlich aussehen:
Expressive SES: Probleme beim Sprechen (Wortfindung, Satzbildung).
Rezeptive SES: Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache.
Oft treten beide Formen gemeinsam auf.
Folgen für den Alltag:
Kommunikation ist eine wichtige Grundlage für soziale Teilhabe, Lernen und zwischenmenschliche Beziehungen. Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen können dabei auf unterschiedliche Schwierigkeiten stoßen, beispielsweise beim Sprachverständnis, beim sprachlichen Ausdruck oder im Austausch mit anderen Menschen.
Kommunikation ist jedoch nicht ausschließlich an gesprochene Sprache gebunden. Je nach individuellem Bedarf können auch Gebärden, Bilder, Symbole, Schreiben oder elektronische Kommunikationshilfen eingesetzt werden. Diese Formen der Unterstützten Kommunikation können zusätzliche Möglichkeiten schaffen, Gedanken, Bedürfnisse und Gefühle auszudrücken.
Sprachentwicklungsstörungen können sich langfristig auf das schulische Lernen und die soziale Entwicklung auswirken. Entscheidend sind deshalb eine frühzeitige Abklärung, geeignete Unterstützung und ein Umfeld, das unterschiedliche Kommunikationsmöglichkeiten berücksichtigt.
WICHTIG:
Mit gezielter sprachtherapeutischer Unterstützung, angepassten Lernangeboten und einem verständnisvollen Umfeld können Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen Fortschritte machen.
Der Verlauf ist individuell unterschiedlich. Während sich sprachliche Fähigkeiten bei manchen Kindern deutlich verbessern, können bei anderen langfristige Schwierigkeiten bestehen bleiben. Eine frühzeitige fachliche Abklärung ist deshalb wichtig, um den tatsächlichen Unterstützungsbedarf festzustellen und geeignete Maßnahmen einzuleiten.
Die individuelle Entwicklung und die Wirksamkeit sprachtherapeutischer Maßnahmen werden auch in der deutschen S3-Leitlinie zur Therapie von Sprachentwicklungsstörungen berücksichtigt.
Quellen: AWMF – S3-Leitlinie Therapie von Sprachentwicklungsstörungen (2022)
ASHA – Augmentative and Alternative Communication

Das Tourette-Syndrom (TS) gehört zu den Tic-Störungen und beginnt typischerweise im Kindesalter.
Kennzeichnend sind mehrere motorische Tics und mindestens ein vokaler Tic, die im Verlauf auftreten. Diese müssen nicht gleichzeitig vorhanden sein.
Tics sind plötzliche, wiederholte Bewegungen oder Lautäußerungen, die von den betroffenen Menschen häufig nur schwer kontrolliert werden können. Manche Tics lassen sich vorübergehend unterdrücken, was jedoch mit erheblicher Anstrengung verbunden sein kann.
Für die Diagnose müssen die Tics seit mindestens einem Jahr bestehen, wobei ihre Häufigkeit und Ausprägung schwanken können. Der Beginn muss vor dem 18. Lebensjahr liegen. Zudem dürfen die Symptome nicht durch Medikamente, andere Substanzen oder eine andere Erkrankung verursacht werden. Diese Kriterien entsprechen dem DSM-5-TR.
Stress, Aufregung, Erschöpfung und andere Alltagssituationen können die Häufigkeit und Intensität der Tics beeinflussen.
Typische Merkmale:
Motorische Tics: z. B. Blinzeln, Schulterzucken, Grimassieren, Kopfrucken
Vokale Tics: z. B. Räuspern, Grunzen, Schnalzen, Wörter oder Sätze rufen
In Einzelfällen kommt es auch zu Koprolalie (unwillkürliches Aussprechen von Schimpfwörtern) – dies betrifft jedoch nur einen kleinen Teil der Betroffenen
Häufigkeit:
Das Tourette-Syndrom beginnt meist im Kindesalter (zwischen 5 und 10 Jahren) und bleibt oft auch im Erwachsenenalter bestehen – wobei sich Tics im Laufe des Lebens verändern oder abschwächen können.
Wichtig:
Das Tourette-Syndrom ist eine neuroentwicklungsbezogene Tic-Störung und keine Folge falscher Erziehung oder absichtlichen Verhaltens. Die Tics lassen sich häufig nicht oder nur vorübergehend unterdrücken.
Das Tourette-Syndrom ist nicht grundsätzlich mit einer Intelligenzminderung verbunden. Die Symptome können den Alltag jedoch erheblich beeinflussen und für Betroffene mit körperlichen, emotionalen und sozialen Belastungen verbunden sein.
Unterstützung:
Verständnis, Aufklärung und entlastende Gespräche können helfen, Scham abzubauen. In manchen Fällen unterstützen Therapien (z. B. Verhaltenstherapie, Medikamente), um die Belastung zu mindern.
Geduld, Humor und Akzeptanz sind oft die wichtigsten Hilfen im Alltag.
Quellen: BfArM – ICD-10-GM 2026, F95.2
Offizielle Klassifikation der Tic-Störungen
CDC – Diagnostische Kriterien des Tourette-Syndroms
ADS/ADHS
SES
TS -
Tourette Syndrom
LRS/RS
LRS (Lese-Rechtschreib-Störung) und RS (Rechenstörung, auch Dyskalkulie) zählen zu den spezifischen Lernstörungen innerhalb der Neuroentwicklungsstörungen.
Betroffene Kinder und Jugendliche zeigen trotz altersgerechter Intelligenz und ausreichender Lerngelegenheiten anhaltende, deutliche Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen.
LRS – Lese- und Rechtschreibstörung:
Buchstaben werden verwechselt, ausgelassen oder verdreht Wörter werden stockend gelesen oder falsch erkannt Schreibweisen werden trotz Übung nur schwer automatisiert Leseverständnis bleibt oft beeinträchtigt
RS – Rechenstörung (Dyskalkulie):
Schwierigkeiten im Zahlenverständnis (z. B. Mengen, Größenordnungen)
Rechenschritte werden vergessen oder in falscher Reihenfolge ausgeführt
Rechnen bleibt mühsam, auch bei Routineaufgaben. Mathematische Begriffe und Symbole werden schwer verstanden
Wichtig:
LRS und RS haben nichts mit mangelnder Intelligenz oder Faulheit zu tun.
Es handelt sich um neurobiologisch bedingte Lernbesonderheiten, die den Erwerb bestimmter Fähigkeiten erschweren – unabhängig von anderen Lernbereichen.
Unterstützung:
Mit gezielter Förderung, angepasstem Unterricht, Nachteilsausgleichen und einem wertschätzenden Blick auf Stärken und Potenziale können Kinder mit LRS oder RS dennoch erfolgreich lernen.
Wichtig ist: Frühzeitige Erkennung, individuelle Unterstützung – und Geduld.

SCD
Die soziale (pragmatische) Kommunikationsstörung, kurz SCD, wird im DSM-5 den Neuroentwicklungsstörungen zugeordnet. Sie beschreibt anhaltende Schwierigkeiten, verbale und nonverbale Kommunikation in unterschiedlichen sozialen Situationen zu verstehen und einzusetzen.
Betroffene Menschen können beispielsweise Schwierigkeiten haben, Gespräche zu beginnen oder aufrechtzuerhalten, unausgesprochene Informationen zu verstehen oder ihre Kommunikation an unterschiedliche Situationen anzupassen.
Dabei müssen individuelle und kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden. Nicht jede Abweichung von gesellschaftlich üblichen Kommunikationsweisen ist automatisch Ausdruck einer Störung.
Typische Merkmale:
Schwierigkeiten, Gespräche anzufangen oder aufrechtzuerhalten
Probleme, sich auf unterschiedliche Gesprächspartner oder Kontexte einzustellen Wörtliches Verstehen von Sprache, Probleme mit Ironie, Humor, Redewendungen. Eingeschränkte Fähigkeit, Mimik, Gestik und Tonfall korrekt zu nutzen oder zu deuten
Abgrenzung zu Autismus:
Die soziale Kommunikationsstörung und die Autismus-Spektrum-Störung können ähnliche Schwierigkeiten in der sozialen Kommunikation aufweisen.
Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass bei einer Autismus-Spektrum-Störung zusätzlich eingeschränkte oder repetitive Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten zu den diagnostischen Merkmalen gehören.
Für die Diagnose einer sozialen Kommunikationsstörung muss deshalb geprüft werden, ob solche Merkmale aktuell oder in der bisherigen Entwicklung vorhanden waren. Dabei sind auch weniger auffällige Verhaltensweisen und frühere Besonderheiten zu berücksichtigen.
Die Abgrenzung erfordert eine umfassende fachliche Diagnostik. Eine soziale Kommunikationsstörung darf nach den Kriterien des DSM-5 nicht zusätzlich zu einer Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert werden.
Folgen:
SCD kann zu Missverständnissen, Konflikten oder sozialem Rückzug führen. Oft fühlen sich Betroffene „falsch verstanden“ oder unsicher im Umgang mit anderen.
Wichtig:
Sprachtherapie, soziale Kompetenztrainings und ein geduldiges, verständnisvolles Umfeld können helfen, Barrieren abzubauen und die soziale Kommunikation sicherer zu gestalten.
Quellen: American Speech-Language-Hearing Association (ASHA)
Social Communication Disorder – Definition, diagnostische Abgrenzung, kulturelle Besonderheiten und Unterstützungsmaßnahmen.

DCD
DCD – Entwicklungsbedingte Koordinationsstörung.
Die Developmental Coordination Disorder (DCD), auf Deutsch auch als umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen oder Entwicklungsdyspraxie bezeichnet, gehört zu den Neuroentwicklungsstörungen.
Menschen mit DCD haben Schwierigkeiten, Bewegungsabläufe zu erlernen, zu koordinieren und sicher auszuführen. Dies kann sowohl die Feinmotorik als auch die Grobmotorik betreffen.
Die Schwierigkeiten beginnen bereits in der kindlichen Entwicklung und beeinträchtigen alltägliche Aktivitäten. Für die Diagnose ist entscheidend, dass die motorischen Schwierigkeiten nicht besser durch andere Erkrankungen oder Beeinträchtigungen erklärt werden können, beispielsweise durch eine neurologische Erkrankung, eine Sehbeeinträchtigung oder eine intellektuelle Beeinträchtigung.
DCD betrifft nicht ausschließlich Kinder. Die motorischen Schwierigkeiten können auch im Jugend- und Erwachsenenalter fortbestehen und unterschiedliche Lebensbereiche beeinflussen.
Diese Beschreibung entspricht den diagnostischen Grundlagen der ICD-10-GM und des DSM-5.
Typische Merkmale:
Ungeschicklichkeit, häufiges Stolpern oder Fallen
Schwierigkeiten beim Schreiben, Basteln, Anziehen oder Sport
Unsicherer Umgang mit Werkzeugen, Besteck, Fahrrad usw.
Schnelle Ermüdung bei Bewegungsaufgaben
Eingeschränkte Hand-Auge-Koordination
Folgen im Alltag:
Die motorischen Schwierigkeiten können den Alltag, die schulische oder berufliche Teilhabe und das Selbstwertgefühl erheblich beeinflussen.
Betroffene Kinder können beispielsweise Schwierigkeiten beim Schreiben, Anziehen, Spielen oder bei sportlichen Aktivitäten haben. Manche vermeiden bestimmte Bewegungssituationen oder erleben Ausgrenzung.
Auch im Erwachsenenalter können Herausforderungen bestehen bleiben, beispielsweise bei der Haushaltsführung, beim Autofahren, im Beruf oder bei anderen Tätigkeiten, die eine gute Bewegungskoordination erfordern.
Wie stark sich DCD auf den Alltag auswirkt, ist individuell unterschiedlich.
Unterstützung:
Ergotherapie (Förderung von Fein- und Grobmotorik)
Alltagsanpassungen und verständnisvolle Begleitung
Stärkung des Selbstvertrauens und der sozialen Teilhabe
Wichtig:
DCD ist keine Frage mangelnder Motivation oder fehlender Anstrengung, sondern eine neuroentwicklungsbedingte Beeinträchtigung der motorischen Koordination.
Mit gezielter Unterstützung, beispielsweise durch Ergotherapie, geeignete Hilfsmittel und individuelle Alltagsanpassungen, können Kinder, Jugendliche und Erwachsene Strategien entwickeln, um Herausforderungen besser zu bewältigen und ihre Selbstständigkeit zu fördern.
Quellen : BfArM – ICD-10-GM 2026, F82
Umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen
NHS – Developmental Coordination Disorder bei Erwachsenen
NHS – Diagnostische Kriterien bei Kindern

Fachliche Grundlagen und Quellen
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Aufklärung und Orientierung rund um Neuroentwicklungsstörungen. Sie ersetzen keine individuelle medizinische, psychologische oder therapeutische Diagnostik.
Die Inhalte basieren auf öffentlich zugänglichen Fachinformationen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und diagnostischen Klassifikationssystemen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich diagnostische Kriterien je nach Klassifikationssystem unterscheiden können und sich wissenschaftliche Erkenntnisse weiterentwickeln.
Die Informationen werden bei Bedarf überprüft und aktualisiert.
Stand der fachlichen Überarbeitung: Oktober 2026
Quellenverzeichnis
BfArM – ICD-10-GM 2026, Entwicklungsstörungen
Autismus, Sprachentwicklungsstörungen, DCD
BfArM – ICD-10-GM 2026, Verhaltens- und emotionale Störungen
ADHS, Tourette-Syndrom
CDC – ADHS: Symptome und Erscheinungsbilder
ADHS und unterschiedliche Erscheinungsbilder
CDC – Diagnostik von Tic-Störungen
Tourette-Syndrom
ASHA – Social Communication Disorder
Soziale Kommunikationsstörung
ASHA – Unterstützte Kommunikation
Alternative Kommunikationsformen
AWMF – S3-Leitlinie Sprachentwicklungsstörungen
Sprachentwicklungsstörungen und Therapie
NHS – Developmental Coordination Disorder
DCD im Erwachsenenalter

