Dipl. Pädagogin
Erziehungswissenschaft -  
Assistenz & Förderung

Sie gestalten Strukturen, wo Alltag unübersichtlich wird. Sie geben Orientierung, wo andere nur Anforderungen sehen – und schaffen Halt für Menschen, die oft mit mehr als einer Herausforderung leben: körperlich, geistig, emotional.

 

In Ihrer Arbeit begleiten Sie Menschen, die anders denken, fühlen oder reagieren – ob mit Autismus, Epilepsie, Entwicklungsverzögerung oder psychischen Belastungen. Dafür braucht es Klarheit, Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, Struktur nicht als Korsett, sondern als Einladung zu begreifen.

 

Ihre Erfahrungen sind wertvoll. Denn Tagesstruktur ist mehr als ein Plan – sie ist oft der Schlüssel zu Teilhabe, Stabilität und Selbstwirksamkeit.

Interview mit dir – Tagesstruktur mit Vielfalt leben

1. Magst du kurz etwas über deinen Arbeitsbereich erzählen?
Mit welcher Zielgruppe arbeitest du? Welche Aufgaben übernimmst du in der Struktur- und                   Alltagsförderung?

 

IP: Ich arbeite seit über 20 Jahren mit Erwachsenen mit körperlichen und geistigen Behinderungen. Das geht als ab 18- Lebensende und ich bin hier in der Tagesförderung/Tagesstruktur tätig. Wir singen, basteln, malen gemeinsam. Wir unternehmen Spaziergänge, machen Einkaufstraining und auch Arztbegleitung. Wir kochen und backen gemeinsam 

 

2. Welche Bedeutung hat Tagesstruktur in deinem beruflichen Alltag?
Was verändert sich für Menschen mit Beeinträchtigung, wenn sie verlässliche Strukturen erleben?

 

IP: Meine Klienten gehen gern in die Förderung und sehen es als wichtigen Tages- und Lebensbereich. Sie fragen danach und vermissen das auch, wenn Krankheiten dies nicht zulassen. 

 

3. Deine Zielgruppe ist vielfältig – wie gestaltest du Strukturen bei unterschiedlichen Bedürfnissen?
Ob Autismus, Epilepsie, psychische Erkrankung oder Entwicklungsverzögerung – wie gehst du mit unterschiedlichen Anforderungen im Alltag um?

 

IP: Jeder Klient hat eine individuellen Förderbedarf und auf ihn angepasst Förderziele, die in Maßnahmen umgesetzt werden. Diese Pläne gelten für ein halbes Jahr, werden dann reflektiert und natürlich auch täglich dokumentiert. Die übergerordnete Planung ist der BEI, der für 2 Jahre gilt. Wir beginnen in der Tagesstruktur immer mit einer Begrüßung (Lied), dann dürfen die Klienten sich ihre Beschäftigung frei wählen und diese auch wechseln. Sie machen teil allein und selbständig was und auch gemeinsam als Gruppenbeschäftigung. Spaziergänge werden auch eingefordert. Es gibt jeden Tag eine Kaffeepause und 12:30 das Mittagessen. Danach wird gemeinsam aufgeräumt und die Klienten gehen in ihre Wohngruppe und/oder Zimmer.

 

4. Welche Herausforderungen begegnen dir immer wieder?
Was sind typische Hürden bei der Planung, Umsetzung oder Akzeptanz von Strukturangeboten?

 

IP: Einige Klienten sind sehr laut, teils aggressiv und übergriffig. Hier greifen wir als Mitarbeiter ein und schützen die anderen Klienten und auch uns. Personalmangel ist auch ein Thema, was uns oft zu Planänderungen zwingt. Die schriftliche Dokumentation wird immer mehr, weniger Zeit mit dem Klienten ist leider der Alltag.

 

5. Gibt es bestimmte Tools, Methoden oder Rituale, die du regelmäßig nutzt? Was hat sich in der Praxis bewährt – und was eher nicht?

 

IP: Ich arbeite viel mit TEACH, das ist die Bildgestützte Kommunikation. Das wird sehr gut angenommen und umgesetzt. Wir begrüßen uns mit einem Lied und singen immer zu Beginn der Förderung, was auch als tägliches Muss angesehen wird.

Regelmäßige Bewohnerbesprechungen sind ein Teil der Arbeit, hier werden Befindlichkeiten abgefragt, Speisenwünsche gefragt und auch später umgesetzt.

 

 

 

6. Wie wichtig ist für dich die Beziehungsebene in der Tagesstrukturarbeit?
Was hilft dir, Vertrauen aufzubauen, insbesondere bei Menschen, die sich nur schwer ausdrücken?

 

IP: Zuhören ist wichtig, gemeinsame Unternehmungen, verbindliche Zusagen von Absprachen und Terminen (auch wenn Personalmangel herrscht) 

 

7. Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit Angehörigen oder im interdisziplinären Team?
Wobei erlebst du Unterstützung – und wo gibt es manchmal Missverständnisse?

 

IP: Wir arbeiten eng mit den gesetzlichen Betreuern zusammen, Familienangehörige werden weniger. Aber auch hier ist Kommunikation wichtig, es finden regelmäßig Treffen statt, schriftliche Kommunikation (E-Mail) oder auch Telefongespräche. Die Zusammenarbeit mit Ärzten klappt meist sehr gut, auch durch Formulare und Gespräche. Es gibt regelmäßige Teambesprechungen im Kollegenteam, wo auch Klienten teilweise teilnehmen und auch die Betreuer oder Ärzte. Zusammenarbeit auch mit den WfbM ist ein Teil der Arbeit.

 

8. Gibt es eine Situation (anonymisiert), die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Etwas, das dich berührt, bestärkt oder herausgefordert hat?

 

IP: Als ich länger krank war, haben meine Klienten für mich eine Karte gestaltet und mich angerufen und gesungen, auch per whats App.

 

9. Was wünschst du dir für deine Arbeit – im Hinblick auf Rahmenbedingungen, Haltung oder Unterstützung?
Wo siehst du Veränderungsbedarf?

 

IP: Weniger Bürokratie und mehr Zeit mit den Klienten, mehr Personal und mehr Freiraum, um Unternehmungen zu machen 

 

10. Was möchtest du anderen Fachkräften mitgeben, die im Bereich Tagesstruktur arbeiten – insbesondere mit Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf?

 

IP: Keine übersteigerten Erwartungen, menschlich bleiben und nicht so fachlich denken - Wir arbeiten mit Menschen und nicht mit Papierkontakt!

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.