Studentin Kindheitspädagogin
1. Stell dich bitte kurz vor:
IP: Ich studiere Kindheitspädagogik und arbeite nebenbei in einer Förderschule und in der OGS. Der Einstieg war eher zufällig aber schnell habe ich gemerkt: Genau hier will ich sein. Kinder mit besonderen Bedürfnissen zu begleiten, fordert mich aber es gibt auch viele schöne, echte Momente.
2. Wie erlebst du die Verbindung zwischen Studium und Praxis?
IP: Manches aus dem Studium hilft mir zum Beispiel, wie Kinder sich entwickeln oder wie wichtig Beziehung ist. Aber oft merke ich: Die Praxis ist viel komplexer. Es fehlt manchmal an Beispielen, die wirklich zum Alltag passen.
3. Was habt ihr im Studium über Neurodiversität gelernt und was fehlt noch?
IP: Wir haben über ADHS, Autismus und Entwicklungsstörungen gesprochen aber eher theoretisch. Ich wünsche mir mehr Einblicke, wie sich das im Alltag zeigt, was Kinder in diesen Situationen brauchen und wie wir besser reagieren können.
4. Wie gehst du mit Kindern um, bei denen du etwas „Anderes“ wahrnimmst aber keine Diagnose da ist?
IP: Ich versuche, offen und ruhig zu bleiben. Jedes Kind zeigt auf seine Weise, wenn etwas zu viel ist. Ich beobachte viel und lasse Raum, wenn ein Kind ihn braucht.
5. Welche Formen von Neurodiversität siehst du oft?
IP: Vor allem ADHS, starke Gefühlsausbrüche, schnelle Überforderung, Schwierigkeiten in der Kommunikation. Manche Kinder brauchen viel Bewegung, andere viel Rückzug. Ich lerne jeden Tag neu, wie unterschiedlich Kinder ticken.
6. Was ist herausfordernd – und was hilft dir?
IP: Herausfordernd ist, jedem Kind gerecht zu werden, wenn viele gleichzeitig etwas brauchen. Was hilft: Pausen, Humor, Gespräche mit Kolleg*innen und mir bewusst machen, dass ich nicht perfekt sein muss, sondern präsent.
7. Hat sich dein Blick auf Kinder, Entwicklung und Vielfalt verändert?
IP: Ja, total. Ich sehe Kinder heute viel differenzierter. Nicht als „funktionierend“ oder „auffällig“, sondern als Persönlichkeiten mit eigenen Wegen. Vielfalt ist keine Ausnahme sie ist die Regel. Und das macht unsere Arbeit so wertvoll.
8. Gibt es eine Situation, die dir besonders im Kopf geblieben ist?
IP: Ein Kind, das oft wütend wurde und als „schwierig“ galt, hat mir einmal einfach die Hand gegeben, ganz still. Kein Wort aber in dem Moment war so viel Vertrauen da. Das vergesse ich nicht.
9. Was wünschst du dir im Studium zum Thema Neurodiversität?
IP: Mehr echte Geschichten aus der Praxis. Mehr Austausch. Und mehr Stimmen von Menschen, die selbst neurodivers sind. Nur so kann man wirklich verstehen, worum es geht.
10. Was möchtest du anderen mitgeben?
IP: Habt keine Angst vor „auffälligem“ Verhalten. Hört genau hin, beobachtet mit Herz und fragt euch: Was will mir dieses Kind eigentlich zeigen?
Zum Abschluss: (Sätze wurden durch IP ergänzt)
Ich studiere Kindheitspädagogik, weil jedes Kind das Recht hat, gesehen und verstanden zu werden egal, wie es ist.
Was ich an meiner Arbeit besonders schätze: Dass ich täglich lerne, wie wichtig echte Beziehungen sind und wie viel wir zurückbekommen, wenn wir Kindern mit Respekt begegnen.


