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Hypersensibilität
Hypersensibilität bezeichnet eine überdurchschnittlich starke Reaktion auf Sinnesreize – etwa auf Geräusche, Licht, Gerüche, Berührungen oder Geschmack. Betroffene empfinden Reize intensiver oder als schmerzhaft, was zu Stress, Rückzug oder Überforderung führen kann.
Besonders bei Autismus, ADHS oder sensorischen Verarbeitungsstörungen ist Hypersensibilität ein häufiges Merkmal und beeinflusst den Alltag oft stark.
Quelle:
American Psychiatric Association (2013): DSM-5 – Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen
„Hyperreaktivität auf sensorische Reize ist ein mögliches Kriterium innerhalb des Autismus-Spektrums.“
Bogdashina, O. (2013): Sensory Perceptual Issues in Autism and Asperger Syndrome. Jessica Kingsley Publishers.
„Hypersensitivity can cause sensory overload and extreme discomfort in everyday environments.“

Hyperfokus
Hyperfokus bezeichnet einen Zustand intensiver Konzentration auf ein bestimmtes Thema, eine Tätigkeit oder ein Interesse – oft über Stunden hinweg und unter Ausblendung der Umgebung.
Dieser Zustand tritt häufig bei neurodiversen Menschen auf, insbesondere bei ADHS oder Autismus. Während Hyperfokus zu tiefem Lernen und hoher Produktivität führen kann, fällt es Betroffenen in diesem Zustand oft schwer, Reize von außen wahrzunehmen oder die Tätigkeit selbstständig zu unterbrechen.
Quelle:
Hupfeld, K.E. et al. (2019): Neural correlates of self-reported ADHD symptoms in adults: Evidence from a large-scale resting-state fMRI study. NeuroImage: Clinical, 24, 101986.
„Hyperfocus may be understood as a paradoxical strength within ADHD – a state of intense task engagement that bypasses usual attentional regulation deficits.“
Solden, S. & Frank, M. (2016): A Radical Guide for Women with ADHD. New Harbinger Publications.

Hilfebedarfsfeststellung
Die Hilfebedarfsfeststellung ist ein strukturierter Prozess zur Ermittlung, welche Unterstützung eine Person in ihrem Alltag benötigt – z. B. in den Bereichen Kommunikation, Mobilität, Selbstversorgung oder Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Sie ist Grundlage für die Planung individueller Hilfen, z. B. im Rahmen der Eingliederungshilfe, Pflege oder schulischen Inklusion. Der Fokus liegt nicht auf der Diagnose, sondern auf dem tatsächlichen Unterstützungsbedarf in Lebenszusammenhängen.
Quelle:
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Leitfaden zur Bedarfsermittlung nach § 118 SGB IX (2020)
„Die Bedarfsermittlung soll den individuellen Unterstützungsbedarf erfassen, nicht lediglich medizinische oder diagnostische Kategorien beschreiben.“
Mrozynski, M. (2019): Teilhabeplanung in der Eingliederungshilfe. Nomos Verlag.

