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Processing Delay
Processing Delay (deutsch: Verzögerte Verarbeitung) beschreibt eine verlangsamte Reaktion des Gehirns auf Informationen aus der Umwelt – etwa auf Sprache, visuelle Reize oder Aufforderungen.
Diese Verzögerung tritt häufig bei neurodiversen Menschen auf, z. B. bei Autismus, ADHS oder Sprachverarbeitungsstörungen. Betroffene brauchen mehr Zeit, um Informationen zu entschlüsseln, zu bewerten und angemessen darauf zu reagieren. Processing Delay ist keine Intelligenzminderung – die Denkprozesse verlaufen nur in einem anderen Tempo. Das Umfeld kann unterstützen, indem es Pausen lässt, visuelle Hilfen nutzt und Druck vermeidet.
Quelle:
Williams, D. (1996). Autism: An Inside-Out Approach. Jessica Kingsley Publishers.
Attwood, T. (2007). The Complete Guide to Asperger's Syndrome. Jessica Kingsley Publishers.
Speech and Language UK: What is Processing Delay?
https://speechandlanguage.org.uk

Personenzentrierung
Personenzentrierung bedeutet, die Bedürfnisse, Wünsche und Perspektiven eines Menschen in den Mittelpunkt von Unterstützung, Begleitung und Entscheidungen zu stellen – nicht seine Diagnose, sein Verhalten oder seine Einschränkungen.
Im Kontext von Autismus, ADHS oder anderen neurodivergenten Besonderheiten heißt das:
Nicht für, sondern mit der betroffenen Person arbeiten – unabhängig vom Alter, Sprachvermögen oder kognitiven Fähigkeiten.
Ziel ist echte Teilhabe:
individuell angepasst, wertschätzend und auf Augenhöhe.
Quelle:
Bundesteilhabegesetz (BTHG), § 1: „Der Mensch steht im Mittelpunkt“
Leitfaden zur Personenzentrierten Hilfeplanung, Diakonie Deutschland, 2020
Rogers, C.R.: „Client-Centered Therapy“ (1951) – Grundlagen der personenzentrierten Haltung
BMAS: Handbuch Teilhabeplanung (2018)

Pädagogisch-therapeutische Intervention
Pädagogisch-therapeutische Interventionen sind gezielte Maßnahmen, die pädagogisches und therapeutisches Wissen verbinden, um Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsbesonderheiten wie Autismus oder ADHS in ihrer Selbstregulation, Wahrnehmung, Kommunikation und Teilhabe zu unterstützen.
Sie finden meist in heilpädagogischen, therapeutischen oder interdisziplinären Kontexten statt und richten sich nach den individuellen Bedürfnissen des Kindes. Im Fokus stehen Stärken, Beziehung, Alltagstauglichkeit und Entwicklung – nicht Defizite.
Beispiele für Inhalte:
Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen
Unterstützte Kommunikation
Reizverarbeitung verstehen und begleiten
Strukturhilfen im Alltag
Elternarbeit und Umfeldberatung
Quelle:
Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V. (bvkm): Pädagogisch-therapeutische Angebote in der Eingliederungshilfe, 2021
Schulz, W. & Tschöpe-Scheffler, S. (2015): Heilpädagogik und Inklusive Pädagogik
SGB IX §35a: Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche
DGfPI (Deutsche Gesellschaft für pädagogisch-therapeutische Interventionen)

Pathological Demand Avoidance
PDA ist eine besondere Ausprägung innerhalb des Autismus-Spektrums, bei der Betroffene eine extreme Vermeidung von Anforderungen zeigen. Dabei geht es nicht um klassische Trotzreaktionen, sondern um eine tiefliegende, oft angstgetriebene Reaktion auf jegliche Form von Erwartungen – selbst bei alltäglichen oder selbstgewählten Aufgaben.
Menschen mit PDA erleben Anforderungen häufig als Bedrohung für ihre Autonomie und Sicherheit. Sie reagieren darauf oft mit Verweigerung, Verhandlung, Flucht, Rückzug oder starken emotionalen Ausbrüchen. Diese Reaktionen sind keine bewussten „Entscheidungen“, sondern Ausdruck von Stressregulation und dem Versuch, Kontrolle über die Situation zu behalten.
PDA wird bislang vor allem im angloamerikanischen Raum beschrieben und ist in Deutschland noch wenig bekannt. Die Diagnose ist offiziell (z. B. im ICD-11) nicht als eigene Kategorie anerkannt, sondern wird als Teil des Autismus-Spektrums gesehen.
Wichtig:
Menschen mit PDA brauchen oft sehr individuelle, flexible und beziehungsorientierte Ansätze – klassische autoritäre oder strukturierte Methoden führen meist zu mehr Verweigerung und Stress.
Quelle:
Newson, E. et al. (2003). Pathological demand avoidance syndrome: a necessary distinction within the pervasive developmental disorders. Archives of Disease in Childhood.
PDA Society UK (2023). What is PDA? https://www.pdasociety.org.uk/what-is-pda/
Ecker, C. & Gillberg, C. (2020). Pathological Demand Avoidance – An overview. European Child & Adolescent Psychiatry.

