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Selbstregulation
Selbstregulation beschreibt die Fähigkeit, eigene Gefühle, Impulse, Gedanken und Körperreaktionen wahrzunehmen und zu steuern. Sie hilft dabei, mit Stress umzugehen, Entscheidungen zu treffen und soziale Situationen zu meistern.
Bei neurodiversen Kindern (z. B. mit Autismus oder ADHS) kann Selbstregulation besonders herausfordernd sein, da Reize intensiver erlebt und Emotionen schwerer kontrolliert werden.
Dabei ist Selbstregulation nicht angeboren, sondern entwicklungsfähig – sie braucht Zeit, Beziehung und passende Unterstützung.
💡 Rituale, Rückzugsräume, Stimming, Co-Regulation und verlässliche Strukturen können helfen, diese Fähigkeit zu fördern – ohne Druck.
Quelle:
Gross, J. J. (2014): Handbook of Emotion Regulation
Hüther, G. (2016): „Jedes Kind ist hoch begabt“
Siegel, D. J. & Bryson, T. P. (2012): „The Whole-Brain Child“
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): „Kindliche Selbstregulation stärken“
Barkley, R. A. (2015): „ADHS und Selbststeuerung“

Stimming
„Stimming“ ist die Kurzform von self-stimulatory behavior und beschreibt wiederholende Bewegungen, Geräusche oder Tätigkeiten, die der Selbstregulation dienen. Dazu gehören z. B. Wippen, Summen, Kneten, mit den Fingern schnipsen oder Gegenstände drehen.
Stimming hilft vielen neurodiversen Menschen – insbesondere autistischen Personen – dabei, Stress abzubauen, sich zu beruhigen, Reize zu verarbeiten oder Freude auszudrücken. Es ist ein natürlicher und gesunder Teil neurodivergenter Selbstfürsorge.
Wichtig: Stimming ist kein „Problemverhalten“, sondern eine sinnvolle Strategie – und sollte nur dann angepasst werden, wenn es dem Wohlbefinden oder der Sicherheit schadet.
Quelle:
Kapp, S. K. et al. (2019): “Deficit, Difference, or Both? Autism and Neurodiversity”
Bogdashina, O. (2010): “Sensory Perceptual Issues in Autism and Asperger Syndrome”
Silberman, S. (2015): “NeuroTribes”
American Psychiatric Association (DSM-5, 2013): Diagnosekriterien für ASS
Autistica UK: “The importance of stimming” (2021)

Soziale Interaktionsfähigkeit
Soziale Interaktionsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit, mit anderen Menschen in Beziehung zu treten, Signale zu erkennen, darauf zu reagieren und soziale Nähe oder Distanz angemessen zu gestalten. Dazu gehören z. B. Blickkontakt, Gesprächsverhalten, das Erkennen von Emotionen und das Einfühlen in andere.
Bei vielen neurodiversen Menschen – etwa im Autismus-Spektrum – ist diese Fähigkeit nicht beeinträchtigt, sondern anders ausgeprägt: Soziale Interaktion findet statt, jedoch oft direkter, wortwörtlicher oder auf andere Weise als erwartet.
Wichtig: Es geht nicht um ein Defizit, sondern um eine andere Art sozial zu sein – die gegenseitiges Verstehen und flexible Kommunikation braucht.
Quelle:
DSM-5 (APA, 2013): Diagnosekriterien für ASS (Bereich A: Soziale Kommunikation und Interaktion)
Baron-Cohen, S. (2008): Autism and the Empathizing–Systemizing Theory
Vermeulen, P. (2012): „Autism as Context Blindness“
Kapp, S. K. (2019): „Autistic community and the neurodiversity movement“
ICD-11 (WHO, 2022): Kategorie 6A02 – Autismus-Spektrum-Störungen

