Abgelehnt - und jetzt?
Wir wussten es eigentlich schon. Letzte Woche, bei einem
Besuch der Jugendhilfe, wurde es uns mündlich mitgeteilt:
Der Antrag auf Schulbegleitung für unser Kind wird abgelehnt.
Gestern dann die schriftliche Bestätigung – nicht als offizieller
Bescheid, sondern als kurze Info-Mail nach einem internen
Teamgespräch. Ohne Erklärung. Ohne Begründung.
Ohne jede Form von Mitgefühl.
Diese Entscheidung trifft uns nicht überraschend –
und trotzdem mit voller Wucht. Denn sie steht am Ende einer
langen Kette aus Kämpfen, Gesprächen, Hoffnungen und
Enttäuschungen. Sie steht sinnbildlich dafür, wie man Familien
mit besonderen Kindern begegnet: mit Skepsis, Verzögerung,
Bürokratie – aber nur selten mit echter Unterstützung.
Unser Kind ist autistisch.
Die Diagnose liegt vor. Die Probleme auch. Vor nicht einmal einem Jahr sprach unser damals siebenjähriges Kind von Suizid – ausgelöst durch Mobbing, Überforderung und das Gefühl, nirgends hineinzupassen. Wir schlugen Alarm. Die Schule reagierte spät, aber immerhin – nach den Sommerferien begann etwas zu greifen. Wir fühlten uns zum ersten Mal ein kleines bisschen mitgetragen.
Doch was sich erst wie ein Anfang anfühlte, wirkt inzwischen wie ein Rückzug. Die Reflexionsgespräche, die wir lange erkämpft hatten, sollen jetzt nur noch „bei Bedarf“ stattfinden. Das bedeutet: Kein regelmäßiger Austausch mehr. Kein gemeinsames Nachsteuern. Kein sicherer Rahmen für Entwicklung.
Und parallel dazu kommt die Ablehnung durch die Jugendhilfe.
Keine Schulbegleitung. Keine Autismustherapie. Und das, obwohl längst klar ist, dass unser Kind eben nicht „einfach nur ein bisschen anders“ ist – sondern Unterstützung braucht. Jetzt, nicht irgendwann.
Was bleibt, ist ein Gefühl von Hilflosigkeit. Wir Eltern geben alles. Tag für Tag. Wir organisieren, begleiten, erklären, regulieren, schützen, übersetzen. Wir lieben bedingungslos – aber wir sind keine Fachkräfte. Wir können nicht allein auffangen, was das System verweigert.
Und ja: Ich bin emotional.
Ich habe Gespräche verlassen, weil ich nicht mehr konnte. Ich habe geweint, gezweifelt, mich zusammengerissen. Weil ich ein Kind begleite, das jeden Tag stark sein muss in einer Welt, die es nicht verstehen will – obwohl es nichts falsch macht. Es ist nicht zu empfindlich. Es ist nicht zu wenig belastbar. Es ist autistisch. Und das ist okay. Aber es braucht Rückhalt, Strukturen, Verständnis.
Die Entscheidung, diese Unterstützung zu verweigern, ist mehr als eine Verwaltungsentscheidung. Sie ist ein Signal: Kommt klar. Allein.
Aber das werden wir nicht. Nicht, weil wir es nicht könnten – sondern, weil es nicht gerecht ist. Nicht richtig. Nicht zumutbar.
Wir warten jetzt auf den offiziellen Bescheid. Und dann?
Dann legen wir Widerspruch ein.
Weil es unsere Aufgabe ist, nicht lockerzulassen.
Weil unser Kind das Recht auf Unterstützung hat.
Und weil bei Bedarf nicht reicht, wenn die Not längst da ist.


