Muss man sich wohl drüber freuen...
Mach ich jetzt

Es gibt Tage, da bringt die Post was anderes als Rechnungen, Werbebriefe und Formulare, bei denen man eh nie weiß, was das Amt da wieder will. Heute war so ein Tag.

 

Ein Umschlag. Kein Absender. Drin: Ein Umarmkalender.

Also ehrlich – ein Kalender voll Umarmungen. Für jeden Tag eine Portion „Halt durch“, „Du packst das“, „Auch Heldinnen dürfen mal platt sein.“ Passt ja. Und zwar sowas von. Denn ehrlich?

 

Ich liege hier mit dicker Erkältung, Tee, Taschentuch und Genervtsein deluxe. Meine Familie kämpft grad sowieso an allen Fronten – Schule, Alltag, Behörden-Marathon. Da ist so ein Umarmkalender irgendwie der Running Gag des Tages.

 

Und weil ich eben norddeutsch groß geworden bin (auch wenn ich seit 14 Jahren in NRW wohne – man hört’s halt trotzdem raus), hab ich das stilecht kommentiert:

 

„Muss man sich wohl drüber freuen. Mach ich jetzt.“

 

Klar, ich hab’s direkt in meinen WhatsApp-Status gehauen. Gehört sich so.

Hab ich da ne Ahnung, von wem’s kommt? Joa, könnte sein. Aber wenn sich jemand schon die Mühe macht, das ohne Namen zu schicken, dann will der oder die wohl auch nicht, dass ich Sherlock spiele.

 

Im Norden macht man das eben so:

 

Man bedankt sich. Trocken.

Man freut sich. Trocken.

Und irgendwie… ja… vielleicht auch ein bisschen autistisch.

Ehrlich. Ohne Klimbim.

 

Ich bin ja nun seit Jahren im Rheinland. Aber selbst der A*****-Bote merkt noch, wo ich herkomme. Wenn ich sag: „Kannst da hinstellen, ich hol dat gleich.“ Die Rheinländer würden dazu wahrscheinlich direkt n Liedchen singen und ein Tänzchen machen.

 

Aber hey:

Da draußen sitzt jemand und denkt sich ernsthaft:

 

„Die braucht jetzt mal ordentlich Umarmungen. Und weil’s grad besonders scheppert im Leben – am besten gleich für mehrere Tage.“ Und schickt mir diesen Kalender. Weil es grad nötig ist. Weil ich vielleicht grad ein bisschen zu oft stark war, zu wenig Pause, zu viel Realität.

 

Und ich?

Mach, was Nordlichter eben machen:

 

Ich freu mich.

Trocken.

Direkt.

 

Mit einem Taschentuch in der Hand, Tee im Bauch und ein bisschen gerührtem Herz. Denn auch wir aus dem Norden wissen:

Umarmungen kann man nie genug haben – auch wenn man sie erstmal mit einem „Och, joa“ quittiert.

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