Muttertag - und ein ganz besonderes Rätsel
Zwischen Mehl, Milch und Sarkasmus – ein Muttertagsgeschenk, das bleibt.
Heute ist Muttertag.
Normalerweise überrascht mich mein Mann mit meinen Lieblingsblumen – ein stilles Ritual, das er nie vergisst. Parallel dazu gibt es natürlich auch in der Schule und früher im Kindergarten jedes Jahr etwas Selbstgebasteltes oder liebevoll Gestaltetes von den Kindern. Und unsere Lehrerin? Hat auch dieses Jahr wieder eine wunderschöne Idee umgesetzt: ein Mütter-Rätselbuch.
Jedes Kind durfte einen kurzen Text über seine Mama schreiben – ganz anonym, am PC, damit die Handschrift nicht verrät, welcher Beitrag von wem stammt. Und dann lag das Buch da. Voller Texte über „beste Mamas“, „liebste Mamas“, „Mamas, die alles können“. Ein ganzes Buch voller Lob, Dank und liebevoller Erinnerungen.
Ich blätterte. Und dann stockte ich. Ich blätterte weiter und dann kam ich wieder zurück zu einer Seite. Da war ein Text. Nicht lang. Keine Ausschweifung, kein großes Herz, keine Lobeshymne. Nur ein paar kurze Sätze – und trotzdem so viel mehr.
Erinnerungen.
An eine Szene, die schon lange zurückliegt.
„Meine Mama ist, als ich 4 war, Mehl runtergefallen. Da hab ich gesagt: Oh, lustig. Darf ich jetzt die Milch runterschmeißen?“
Ich musste schlucken.
Nicht, weil ich mich nicht erinnern konnte. Und doch, ich konnte mich nicht wirklich erinnern. Aber, ich schluckte, weil sie es tat. Weil mein Kind – gerade mal acht Jahre alt – sich an etwas erinnerte, das geschah, als sie vier war.
Und weil dieser eine Satz so viel zeigt: Dass sie schon damals Sarkasmus verstanden hat. Dass sie mich genau beobachtet hat. Und dass Humor, ihre Art von Humor, schon immer da war.
„Als Baby hat sie mir immer schon geholfen und mir die Windeln gewechselt, und da habe ich sie auch mal angepinkelt.“
Das stand da auch. Das war’s. Kein „Ich liebe sie“. Kein „Sie ist die beste“.
Und trotzdem: Ich wusste eigentlich genau, dass es ihr Text war.
Nicht nur wegen des Humors.
Nicht nur wegen der Erinnerung.
Sondern weil er genauso geschrieben war, wie sie spricht. Kurze, klare Sätze. Keine Floskeln. Keine Übertreibung. Ehrlich. Faktisch. Und mit einem kleinen, trockenen Witz am Ende.
Ja, Deutsch ist nicht ihr Lieblingsfach. Und ja, es fällt ihr schwer, Geschichten zu erzählen oder Dinge zu „verschönern“. Aber sie zeigt mir jeden Tag, wie sehr sie mich liebt – auf ihre Art. Sie bringt mir Scheren, wenn ich bastle. Kommt mit einem Wärmekissen, wenn ich müde bin.
Und sie lacht – laut und hemmungslos – über Furzgeräusche. Kein Scherz. Stundenlang.
Manchmal pupst sie sogar absichtlich, nur um uns dann triumphierend anzugrinsen. Klingt vielleicht komisch. Aber wer sie kennt, weiß: Das ist ihr Humor. Das ist ihre Liebe. Sie vertraut uns, dass sie sogar ihre dunkelsten Seiten offen zeigt.
Und dass sie diesen Teil von sich in der Schule, im Buch, vor der ganzen Klasse zeigt – das ist Vertrauen. Das ist Mut. Das ist Nähe. Dieser Text war für mich kein typischer Muttertagstext.
Aber er war unser. Echt. Besonders. Und eine Erinnerung daran, wie kostbar es ist, wenn ein Kind sich so zeigen darf, wie es ist.
Nicht angepasst.
Nicht geschönt.
Einfach es selbst.
An alle Mütter da draußen – ob ihr besondere Kinder begleitet oder einfach nur jeden Tag euer Bestes gebt, ob laut oder leise, stark oder manchmal ganz zerbrechlich:
💛 Ihr seid genug.
💛 Ihr seid wichtig.
💛 Und ihr macht einen Unterschied. Jeden einzelnen Tag.
✨ Alles Gute zum Muttertag!




