Zwischen Stillstand und Schmerz:
Unsere Woche voller Widersprüche
Die vergangene Woche war eine Achterbahnfahrt – emotional, körperlich und nervlich. Schon seit Mitte Januar liegt unser Antrag auf Schulbegleitung und Autismustherapie für unsere Tochter bei der Jugendhilfe. Zwar gab es ein persönliches Hausgespräch und eine kurze Info, dass unsere Hilfen wohl abgelehnt worden seien – aber bis heute keinen offiziellen Bescheid, keine schriftliche Begründung, nichts Verbindliches. Kein Dokument, auf das wir reagieren oder gegen das wir Einspruch einlegen könnten.
Erst nachdem wir eine formelle Mahnung verschickt und uns auf gesetzliche Fristen berufen hatten, kam Bewegung in die Sache. Wir haben deutlich gemacht, dass wir notfalls rechtliche Schritte prüfen würden – und plötzlich meldete sich die Jugendhilfe. Ein Telefonat. Eine Erklärung. Und ein angeblicher Fehler: Das Schulamt habe bei der fachlichen Einschätzung ein falsches Kreuz gesetzt. Ein winziger Haken in einem Formular, der die Ablehnung unseres Antrags nach sich zog. Und niemand bemerkte es. Kein Abgleich, keine Nachfrage – bis wir Druck machten.
Ein Teil von uns möchte glauben, dass es wirklich nur dieses Kreuz war. Ein anderer Teil fragt sich, ob nicht mehr dahintersteckt. Vielleicht haben plötzlich mehr Menschen hingeschaut. Vielleicht wurde der öffentliche Druck spürbar. Vielleicht ist es nur Zufall – aber wir fragen uns das, ohne es laut auszusprechen.
Und dann kam noch etwas hinzu: Ich wurde letzte Woche operiert. Eigentlich dachte ich, dass es bergauf geht. Doch kaum war die erste Erschöpfung abgeklungen, kamen neue Schmerzen. Beschwerden, die mir das Gefühl geben, dass etwas nicht stimmt. Nun steht im Raum, ob ich erneut ins Krankenhaus muss – vielleicht sogar wieder operiert werden muss. Es ist das Letzte, was ich gerade gebrauchen kann. Aber mein Körper scheint das nicht zu interessieren.
Und all das passiert inmitten einer Situation, in der wir ohnehin kämpfen. Kämpfen für unsere Tochter, die jeden einzelnen Tag mit all dem allein zurechtkommen muss. Mit Reizüberflutung. Mit Unverständnis. Mit einer Welt, die sie überfordert und gleichzeitig keine Rücksicht auf sie nimmt. Sie fühlt intensiver, sieht genauer, hört deutlicher – und sie trägt alles mit sich. Nichts perlt ab. Alles bleibt.
Deshalb ist es so wichtig, dass Hilfe kommt. Nicht theoretisch, sondern praktisch. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Während auf Verwaltungsebene neu bewertet, geprüft und geplant wird, ist sie immer noch ohne Begleitung. Ohne Therapie. Ohne echte Stütze – außer uns.
Heute beginnt eine neue Woche. Und wir wissen nicht, was sie bringt. Werden wir endlich vorankommen oder weiter hingehalten? Wird es Fortschritte geben oder neue Baustellen? Unser Kind wird – wieder einmal – den Alltag allein durchstehen müssen, ohne die Hilfen, die längst hätten greifen sollen. Und wir bleiben die Einzigen, die da sind. Die sie halten. Die nicht wegsehen.
Und trotzdem schreiben wir.
Weil wir nicht aufgeben wollen.
Weil wir nicht die Einzigen sind.
Und weil vielleicht jemand liest – und diesmal nicht mehr wegschaut.


